Leipzig Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.leipzig-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Weihnachten

Ein Fest der Familie und des Friedens

Florian Russi, Herbert Kihm (Hg.)

Alle Jahre wieder feiern wir das Weihnachtsfest im Kreise unserer Familie und lassen althergebrachte Traditionen in familiärer Atmosphäre aufleben. Doch wo hat das Fest seinen Ursprung, warum feiern wir Weihnachten und woher stammt der Christbaum?

Das liebevoll gestaltete Heftchen gibt Auskunft hierüber und enthält zudem eine kleine Sammlung der bekanntesten Weihnachtslieder. Des Weiteren Rezepte laden zum Kochen und Backen ein.

Die Vökerschlacht bei Leipzig 1813 und die Folgen

Die Vökerschlacht bei Leipzig 1813 und die Folgen

Ursula Drechsel

Napoleon I.
Napoleon I.

Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 gehört zu den blutigsten militärischen Auseinandersetzungen in der Weltgeschichte. Jedes Jahr im Oktober gestalten verschiedene Vereine und Institutionen ein Gedenken an die größte Massenschlacht im 19. Jahrhundert. Für das Jahr des 200. Erinnerns 2013 werden umfangreiche internationale Veranstaltungen geplant. Horst Riedel schildert im Stadtlexikon Leipzig von A bis Z zusammengefasst, gut recherchiert und präzise die Völkerschlacht in und um Leipzig 1813:

„Die Völkerschlacht war die Entscheidungsschlacht im nationalen Unabhängigkeitskrieg zwischen der durch Rheinbundkontingente verstärkten französischen Armee unter dem Oberbefehl von Napoleon I. (190 000 Soldaten) und den verbündeten preußischen, russischen, österreichischen und schwedischen Truppen (295 000 Soldaten). Maßgebenden Anteil am Zustandekommen der Schlacht hatte die Schlesische Armee unter dem Kommando von General Blücher und seinem Generalstabschef Gneisenau. Mit dem Übergang ihre Armee über die Elbe bei Wartenburg am 3.10.1813 zwangen sie die in Böhmen stehende Hauptarmee (Böhmische Armee) unter dem Kommando des österreichischen Fürsten zu Schwarzenberg sowie die Nordarmee unter dem Kommando des schwedischen Kronprinzen Bernadotte zum Vormarsch auf Leipzig. Die französische Armee nahm Mitte Oktober 1813 im Halbkreis um die Stadt Leipzig Aufstellung. Von Norden und Süden rückten die verbündeten Truppen gleichzeitig auf Leipzig in der Absicht vor, die gegnerischen Kräfte in weitem Bogen zu umfassen. Am 14.10.1813 kam es zu einem Aufklärungsgefecht zwischen russischen und preußischen Reiterschwadronen und der Armee Murats, aus dem sich mit über 10 000 beteiligten Reitern die größte Reiterschlacht des Unabhängigkeitskrieges entwickelte (Reitergefecht bei Wachau-Liebertwolkwitz). Gleichzeitig griff österreichische Infanterie den Ort Liebertwolkwitz an, der aber von den Franzosen behauptet wurde.

Der 15.10.1813 verlief dann ohne Kampfhandlungen und diente der Zusammenführung von militärischen Kräften auf beiden Seiten. Am Morgen des 16.10.1813 waren dann beide Seiten zum Angriff bereit. Nach dem Plan Schwarzenbergs griff man die Hauptkräfte der Franzosen auf breiter Front rechts der Pleiße an. Teilkräfte sollten über Connewitz in den Rücken der Franzosen vorstoßen und bei Lindenau die Rückzugsstraße nach Westen sperren. Die Zersplitterung der Hauptarmee begünstigte Napoleons Vorhaben, die gegnerische Front im Süden mit starken Kräften zu zerschlagen. Bis zu den Mittagsstunden eroberten die französischen Truppen vorübergehend verloren gegangene Dörfer wieder zurück. Im Raum Wachau gerieten die Verbündeten unter dem Feuer der von Napoleon massiv eingesetzten Artillerie in eine immer schwierigere Lage und mussten große Verluste beklagen. Diese Situation veranlasste Napoleon, in Leipzig alle Glocken läuten zu lassen und den Sieg zu verkünden. Doch die für die Franzosen entscheidende Verstärkung aus dem Norden blieb aus. Sie wurde in den Kämpfen um das stark befestigte Möckern von dem zur Schlesischen Armee Blüchers gehörenden Korps Yorck von Wartenburgs gebunden. Dagegen scheiterten alle Angriffe der Verbündeten bei Connewitz und Dölitz infolge der sumpfigen Pleißenniederung. Erfolglos blieben auch die Bemühungen, die Rückzugsstraße bei Lindenau zu blockieren. Am 17.10.1813 herrschte Waffenruhe. Nur die Schlesische Armee, die den Befehl des Oberkommandierenden Schwarzenberg verspätet erhielt, stürmte mit dem Korps Sakken und Langeron die Dörfer Gohlis und Eutritzsch und trieb die Franzosen hinter die Parthe zurück. Anrückende Verstärkungen (russische Reservearmee Benningsens und zwei österreichische Armeeabteilungen) stabilisierten die Lage der Verbündeten. Außerdem näherte sich nun auch die Nordarmee. Napoleon zog seine Truppen näher an Leipzig heran, ließ die Rückzugsstraße nach Westen über Lindenau nach Weißenfels sichern und Brücken über die Saale schlagen.
Am 18.10.1813 begannen bereits vor Tagesanbruch auf beiden Seiten Angriffsvorbereitungen. Ein Waffenstillstandsangebot Napoleons wurde von den Verbündeten angesichts ihrer militärischen Überlegenheit abgelehnt. Die Gesamtstärke der Truppen Napoleons, der sein Befehlsquartier in der Quandtschen Tabaksmühle bezogen hatte, betrug 160 000 Mann mit 630 Geschützen. Dem standen 295 000 Mann mit 1466 Geschützen der Verbündeten gegenüber.
Den Vorstoß auf Napoleons stark ausgebaute Schlüsselstellung Probstheida begannen die preußisch-russischen Truppen, denen die Franzosen erbitterten Widerstand entgegensetzten. An anderen Abschnitten führten die Angriffe der verbündeten Truppen zu Erfolgen: Die Dörfer Paunsdorf, Mölkau, Sellerhausen und Stünz wurden erobert. Heftige Kämpfe tobten dann um Schönefeld. Unterstützt von der Artillerie der Nordarmee gelang es schließlich dem russischen Korps Langeron, in einem Sturmangriff das Dorf zu erobern. Den Soldaten der Rheinbundkontingente, die noch im Verband der Napoleonischen Armee kämpften, wurde endgültig bewusst, dass sie auf der falschen Seite kämpften. Obwohl vom sächsischen König zuvor abgewiesen, trat die sächsische Kavallerie (etwa 600 Reiter) bei Thekla zum Korps Langeron über, General Ryssel führte 1 500 Mann zur russischen Reservearmee Benningsens. Napoleon befand sich in einer aussichtslosen Lage. Er zog sich mit seinen Truppen in die Stadt zurück und trat dann noch in der Nacht mit den Hauptkräften den Rückzug nach Westen an. Mit etwa 30 000 Mann - vorwiegend Rheinbundtruppen und Polen - wurde die Stadt eine neue Verteidigungsstellung bezogen.
Friedrich August I., König von Sachsen
Friedrich August I., König von Sachsen
Angebote des sächsischen Königs Friedrich August I. und des Leipziger Rats an die Franzosen, die Stadt zu übergeben, blieben ungehört. So begann am 19.10.1813 der Angriff der preußischen und russischen Truppen auf die Stadttore. In den Mittagsstunden waren die Vorstädte eingenommen. Nochmals große Opfer forderte das Eindringen in die Innenstadt. Danach löste sich der Kampf in Einzelgefechte auf. Geschlossenen Widerstand leistete nur das polnische Korps Poniatowski. Als die nach Lindenau führende Elsterbrücke von den Franzosen übereilt gesprengt wurde, war die einzige Rückzugsstraße der Napoleonischen Truppen unterbrochen. Bereits um 13 Uhr zogen die Verbündeten zur Siegesfeier auf dem Marktplatz ein. Die Napoleonische Armee verlor
110 000 Mann. Für die Befreiung waren 22 000 Russen, 16 000 Preußen, 12 000 Österreicher und 300 Schweden gefallen. Während und nach der Schlacht wurden Massen von Verwundeten in die Stadt gebracht, obwohl die Militärspitäler bereits Mitte Oktober überfüllt waren. Am 21.10.1813 befanden sich in der Stadt schätzungsweise 40 000 Verwundete, die in mehr als 50 zumeist improvisierten Lazaretten versorgt wurden. Deren unzureichende Ausstattung, der Mangel an Ärzten und Pflegepersonal und die sich ausbreitenden Seuchen führten zu einer Tragödie. Tausende Tote wurden in den folgenden Wochen in Massengräbern am Stadtrand beigesetzt. Die Seuchen griffen auch auf die zivile Bevölkerung über, so dass von den 35 000 Einwohnern Leipzigs jeder Zehnte daran verstarb.
Unmittelbares Ergebnis des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht waren der endgültige Zusammenbruch der Fremdherrschaft in Deutschlands und die Auflösung des Rheinbundes."
Alter Johannesfriedhof  Foto: Archiv U. u. H. Drechsel
Alter Johannesfriedhof Foto: Archiv U. u. H. Drechsel
Johann Daniel Ahlemann war in der Zeit von 1810 bis 1832 Totengräber auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig. Er erlebte die dramatischen Ereignisse der Völkerschlacht bei Leipzig, die sich in den Tagen vom 16. - 18. Oktober 1813 abspielten.

Johann Daniel Ahlemann hat uns seine Erlebnisse während der Völkerschlacht 1813 bei Leipzig in einem ausführlichen, sehr anschaulichen Bericht überliefert. Diese Aufzeichnungen finden wir auf den letzten Seiten des Leichenbuches der Totengräber von 1813.
Er schreibt darüber, wie sich die Sterblichkeit der Einwohner der Stadt Leipzig von 1812 bis 1814 entwickelt hat:
„Die Kirche St. Johannis blieb noch immer fortwährend ein Lazareth, und die Sterblichkeit der Einwohner war im Monat Januar und Februar 1814 immer noch sehr groß, doch aber lies es nach und wurde bis im Monat Juny und July ganz gering."

1813 lebten etwa 35 000 Einwohner in Leipzig. Gewöhnlich starben in einem Jahr etwa 1.330 Einwohner, aber 1813 starben 6.382 Personen, darunter 2.872 Soldaten.
Die folgende Statistik zeigt anschaulich, wie sich die Sterblichkeit in der Zeit von 1812 bis 1815 entwickelt hat.

Diese Statistik wurde anhand der Leichenbücher der Leichenschreiber von 1812 - 1816 von der Autorin dieses Beitrages erarbeitet.

Die zusammengefasste Beschreibung der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ist mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers von PRO LEIPZIG, Herrn Speckhals, übernommen aus:
Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A-Z, Herausgegeben von PRO LEIPZIG,
Leipzig 2005

Die Bilder der Schlachten und der historischen Personen sind aus dem Leipziger Schlachtfeldführer 1813/1913 entnommen, Leipzig 1913.