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Andrè Barz. Kennst du E.T.A. Hoffmann?

Erlaubst du, geneigter Leser, ein Wort? Hättest du nicht Lust auf einen Tee? Vielleicht magst du aber auch lieber einen Punsch, so wie ich? Dabei in aller Gemütlichkeit ein wenig plaudern, Geschichten erzählen, lesen. - Liest du gerne? Viel?   Ich habe mich jedenfalls nicht abhalten lassen. Nicht vom Lesen, nicht vom Komponieren, nicht vom Zeichnen und natürlich auch nicht vom Schreiben.
Im Vertrauen: Das habe ich mein ganzes Leben lieber gemacht als meinen eigentlichen Beruf ausgeübt! Ja, auch Bücher schreiben! Wenn du möchtest, kann ich dir einige Proben zeigen. Etwa "Das fremde Kind", "Der Magnetiseur", "Der goldene Topf", "Klein Zaches genannt Zinnober" oder auch "Die Königsbraut". Ach so, nicht zu vergessen "Der Sandmann"!

http://bertuch-verlag.de/65-0-Kennst-du-ETA-Hoffmann.html
ISBN 3-937601-31-7

 

E.T.A. Hoffmann

E.T.A. Hoffmann

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

E.T.A., der eigentlich Ernst Theodor Wilhelm hieß und sich aus Verehrung und Leidenschaft für Wolfgang Amadeus Mozart in E.T. Amadeus Hoffmann umbenannte, verließ Bamberg und kam im Mai 1813 nach Leipzig. In einem Brief an seinen Freund F. Speyer berichtet er: „ Eine größere Antipolarität in wissenschaftlicher und künstlerischer Hinsicht als Bamberg und Leipzig kann es wohl in der Welt nicht geben. Ja, ich möchte sagen: ist es in Bamberg des Guten zuwenig, so ist es in Leipzig beinahe des Guten zuviel. Aber soviel ist doch gewiß, daß man sich wie ein Fisch im Wasser, im rechten Element froh und frei bewegen kann..." E.T.A. war vom Operndirektor Joseph Seconda als Musikdirektor in die Secondasche Operngesellschaft berufen worden, die im Comödienhaus auf der Ranstädter Bastei aufspielte. Im Herbst 1813 wechselte die Truppe für einige Wochen nach Dresden, wo sie die Auswirkungen der Völkerschlacht bei Leipzig erlebte.
In Leipzig „schlampampte" E.T.A. nach der Pflicht zu dirigieren regelmäßig durch die Lokalitäten, wie er in sein Tagebuch akribisch notierte. Bevorzugt waren die „Grüne Linde" und Reichardts Kaffeehaus, aber auch der Coffe Baum, der als einziger in unsere Zeit überlebt hat. Hier traf er Künstler, Schauspieler und bekannte Leipziger wie den Onkel und den Vater von Richard Wagner, der am 22. Mai 1813 gerade geboren worden war. Schließlich fand E.T.A. „Vergnügen, wenn ich Morgens mein gutes Gläschen Aechten Jamaica Rum genossen..." Abends bevorzugte er „ein Gläschen guten, echten Punsch." Logiert hat er im „Goldenen Herz" und hier schrieb der vielseitig Begabte das Märchen der „Goldene Topf", und er beginnt mit der Niederschrift „Elixiere des Teufels". Beides wird seinen literarischen Ruhm begründen. Im Februar 1814 haben die scharfen Auseinandersetzungen mit Seconda zur Folge, dass ihm prompt gekündigt wird. Das Ende als freier Künstler war gekommen. Mühsam brachte er sich und seine Frau „Mischa" mit antinapoleonischen Karikaturen und musikalischen Rezensionen durch. Einige seiner Rezessionen sind heute noch im Musikleben präsent. Schwer krank vegetierte er noch bis September 1814 in dem heruntergekommenen Gasthof dahin.

Theodor Gottlieb von Hippel, ein Schulfreund, der ihm stets zur Seite stand, lässt seine Beziehungen spielen und verschafft E.T.A. eine Anstellung im Justizdienst in Berlin, denn eigentlich hatte er der familiären Tradition folgend Jura in Königsberg studiert, wo er am 24. Januar 1776 geboren worden war. Das Staatsexamen legte er dort mit der Note "Vorzüglich" ab. Die Rückkehr an die ungeliebte Staatskrippe war der Rettungsanker, denn schließlich brachte ihm die Ernennung zum Kammergerichtsrat ab 1816 ein sicheres Jahresgehalt von 1 000 Reichstalern ein. Aber E.T.A. war es viel wichtiger, seinen künstlerischen Neigungen nachzugehen. Der Erfolg der Uraufführung seiner romantischen Oper „Undine" machte ihn glücklich. Seine literarischenWerke werden  berühmt. Zu den bekanntesten Werken zählen:

  • Fantasiestücke in Callots Manier 1814/15
  • Nachtstücke 1816/17
  • Klein Zaches, genannt Zinnober 1819
  • Lebensansichten des Katers Murr 1819/21
  • Meister Floh 1822

Am 25. Juni 1822 im Alter von 46 Jahren stirbt E.T.A. an den Folgen einer Lues in Berlin, wo er beigesetzt wird. Die Inschrift auf dem Grabstein lautet:

 

Kammer Gerichts-Rath

Ausgezeichnet

Im Amte

Als Dichter

Als Tonkünstler

Als Maler

Gewidmet von seinen Freunden