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Kennst du Antoine
de Saint-Exupéry?

Karlheinrich Biermann

Großer Beliebtheit erfreut sich noch heute die Geschichte vom kleinen Prinzen, jenem philosophischen Märchen, das von Liebe, Freundschaft und Tod handelt. Darin geht Saint Exupery der Frage nach dem Sinn des Lebens nach und blickt zurück auf sein eigenes: das Abenteuer einer Bruchlandung, das Überleben in der Wüste, die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe … all das war dem Autor nur allzu vertraut.

Zill's Tunnel

Zill's Tunnel

Dipl.-Päd. Ursula Brekle

Aus"Leipzig-Skizzen" von Dr. G. Klein www.bertuch-verlag.com
Aus"Leipzig-Skizzen" von Dr. G. Klein www.bertuch-verlag.com
Vis-á-vis vom Alten Rathaus, quer über dem Markt, führt das Barfußgäßchen in einen Gassenwinkel der Leipziger Altstadt. Dort finden wir das historische Gasthaus Zill´s Tunnel. Das Gasthaus ist der letzte Vertreter der Biertunnel, die man an einem Ende betrat und am anderen wieder verließ und von denen es mehr als ein Dutzend im beengten Stadtzentrum gab. Bereits 1756 betrieb der Wirt J.F. Weißleder eine Bierschänke, die 1841 dann Johann Gottfried Zill (gest. 1868) übernahm und die bald im Volksmund Zill´s Tunnel hieß. 170 Jahre hat sie diesen Namen beibehalten. In dieser Zeit gab es berühmte Stammtische, wie die der Juristen, der Schriftsteller und Musiker und die der Handwerker. Zu den berühmten Gästen zählt der Opernkomponist Viktor Nessler, dessen Werk „Der Trompeter von Säckingen" noch heute aufgeführt wird.
Maler: Volker Pohlenz Foto: Jürgen Kunstmann
Maler: Volker Pohlenz Foto: Jürgen Kunstmann

Und wer kennt nicht die Lieder vom Chordirigenten und Komponisten Carl Friedrich Zöllner „Des Wandern ist des Müllers Lust", „Ein Jäger aus Kurpfalz" und „Ich hatt´ einen Kameraden". Die Legende sagt, diese Lieder seien in Zill´s Tunnel teils ersonnen, bestimmt aber gesungen worden. Belegt ist, dass Zöllner seine Freunde Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann hierher einlud. Der Stammtisch der Stadträte, die nach den anstrengenden Sitzungen im Alten Rathaus so manchen Schoppen und guten Happen konsumierten, traf sich einmal jährlich an diesem Ort für die legendäre Gelbe Suppe. Dieses gemeinsame Festmahl der Stadtverordneten fand zum Abschluss der Sitzungsperiode statt, in der die Ausscheidenden verabschiedet und die neuen Stadtverordneten begrüßt worden sind. Es gab eine delikate Speisefolge mit einer feinen, mit dem teuren Safran gewürzten Suppe. Der Brauch erhielt sich bis in das 20. Jahrhundert.
Diesen Traditionen verpflichtet führt heute der Seniorchef Lutz Geyer professionell die Geschicke der Einrichtung. Ein Blick auf die Speisekarte für typisch sächsische Gerichte genügt für den Beweis - Zitat:

Galdes Been midd saurem Graud un Meierahn- Zwibbelbriehe
Großes Eisbein mit Majoran - Zwiebelsoße, Sauerkraut, Sahnemeerrettich und Kartoffeln oder Klößen
Gefliecheldes vom Federviech
Knusprige viertel Ente mit Apfelrotkohl und Klößen
Gudscherschdeeg, in Grosditser Bier un Wirzditsche eingeleschd
„ Krostitzer Bier- Kutschersteak " in Bier und Würzmarinade eingelegtes großes Kammsteak
mit Röstzwiebeln auf hausgemachtem Kartoffelpuffer
Gebräbeldes Wasserdier of Erdäbbelmuhs
Gebratenes Zanderfilet "Baseler Art" auf Kartoffelpüree mit gebratenen Champignons und angeschwenkten Zwiebeln, Salatbukett

„Leipziger Allerlei ". Sächsische Spezialität
Ein Arrangement aus frischem Gemüse, Morcheln und Flusskrebs
Die Zusammenstellung des „Leipziger Allerleis" zeigt die solide und feine Küche, die an beste Traditionen anknüpft.
In diesem Milieu gibt es unvermeidlich Leipziger Gose in den typischen Varianten:

Die Leipziger Gose...Pur
Wanderslust - mit Waldmeistersirup
Sommertraum - mit Himbeersirup
de Leipzscher Gümmel Gose - mit original Leipziger Allasch
de Girsch Gose - mit Kirschlikör - bei den Damen besonders beliebt
Un wasse unbedingd gosdn solldn...
"Ä Zwibbelschnabs aus Borne"
Zwiebelschnaps

Bierstube   Quelle: Zill's Tunnel GmbH
Bierstube Quelle: Zill's Tunnel GmbH
1999/2000 fand eine gewissenhafte Restaurierung des Hauses in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz und den Restauratoren statt, die sich auf die Pläne von 1841 stützten. Die Gestaltung der Fassade des Hauses und der beiden Etagen folgen diesem Stil, ebenso die filigranen Wandmalereien und die Wandanstriche. Selbst die Stuhlformen sind angepasst.
Der weiße Rundbogen der Bierstube, insgesamt gibt es fünf verschiedene dem historischen Brauch folgende Stuben, verstärken den Eindruck der Leipziger Mentalität und des historischen Flairs dieser Gaststätte. Das Haus bietet auch ruhige Fremdenzimmer an, komfortabel eingerichtet.
Maler: Volker Pohlenz  Foto: Jürgen Kunstmann
Maler: Volker Pohlenz Foto: Jürgen Kunstmann

Zwei große Wandbilder von Volker Pohlenz, ein Maler, der viele Jahre mit Werner Tübke gearbeitet hat, zeigen zwei typische Szenen aus der Geschichte des Hauses:
Das eine zeigt einen Stammtisch von Sangesbrüdern, an dem sich auch C.F. Zöllner, der Dichter Wilhelm Müller und der Sänger Roderich Benedix eingefunden haben. Müller schrieb Texte für die von Franz Schubert vertonten Liederkreise „Die schöne Müllerin" und „Winterreise". Am bekanntesten ist er als Verfasser des Volksliedes „Das Wandern ist des Müllers Lust", das 1844 entstand. Lese weiter: http://www.sachsen-lese.de/index.php?article_id=56.
Das zweite Bild gibt den Blick frei auf den kleinen Platz zwischen Barfußgäßchen und Großer Fleischergasse zur Messezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Händler, Bauern, Bürger, Studenten und Mägde bevölkern den Platz. Es musiziert ein Drehorgelspieler, der die populären Lieder von Zöllner, der gleich um die Ecke gewohnt hat, sicher gespielt hat. Am Ende der Häuserflucht sieht man die im 2. Weltkrieg völlig zerstörte Matthäikirche, die gewissermaßen in den Bildern wieder auferstanden ist.

Quellen:

Pilz, Herbert: Leipziger Kulinarischen Antiquitäten (Folge 39)
Einladung vom 29.05.2007 zu einem Informationsbesuch in Zill's Tunnel  
Homepage www.zillstunnel.de

Die Autorin dankt dem Seniorchef und Juniorchef von Zill's Tunnel für Überlassung der Rechte in diesem Artikel, das Foto der Bierstube und die Texte aus der Speisekarte zu nutzen.
Die Autorin dankt Volker Pohlenz, seine Bilder aus seinem Privatbesitz in diesem Artikel zu nutzen.