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Martin Schneider
Kennst du Leo Tolstoi?

Welche Persönlichkeit steckt hinter diesem großen Mann der russischen Literatur? Über das bewegte und gegensätzliche Leben Tolstois weiß dieses Buch zu erzählen. Zugleich stellt es einige ausgewählte Werke dieses großen Visionärs in Auszügen vor.

 Der Wundarzt

Der Wundarzt

(Erstpublikation mit Melodie 1840)


Text und Melodie: anonym

  
  

 

 

Gustav Klimt: Detail aus dem Bild "Medizin", gemalt für die Medizinische Fakultät
Gustav Klimt: Detail aus dem Bild "Medizin", gemalt für die Medizinische Fakultät
  
 Der Wunderarzt.

1. Ich bin der Doktor Eisenbart,
Ich heil' die Leut' nach meiner Art,
Kann machen, daß die Blinden gehn,
Und daß die Lahmen wieder sehn.

2. In Ulm kurirt' ich einen Mann,
Daß ihm das Blut vom Beine rann,
Er wollte gern gekohpockt seyn,
Ich impft' ihn mit dem Bratspieß ein.

3. Zu Wimpfen akuschirte ich
Ein Kind zur Welt gar meisterlich,
Dem Kind zerbrach ich das Genick,
Die Mutter starb zu gutem Glück.

4. Dem Nachtwächter zu Diedeldum
Gab ich ein ganz Pfund Opium,
Drauf schlief er Jahre, Tag und Nacht,
Und ist bis jetzt noch nicht erwacht.

5. Der Schulmeister zu Izihöe
Litt dreißig Jahr an Diarrhoe,
Ich gab im cremor tartari ein,
Er ging zu seinen Vätern heim.

6. Dem guten Hauptmann von der Lust
Nahm ich drei Bomben aus der Brust,
Die Schmerzen waren ihm zu groß,
Wohl ihm, er ist diese los.

7. Zu Potsdam trepanirte ich
Den Koch des großen Friederich,
Ich schlug ihn mit dem Beil vor'n Kopf,
Gestorben ist der arme Tropf.

8. Es hat ein Weib in Langensalz
'Nen centnerschweren Kropf am Hals,
Ich schnürt ihn mit dem Hemmseil zu,
Probatum est, sie hat nun Ruh.

9. Zu Leipzig nahm ich einem Weib
Zehn Fuder Steine aus dem Leib,
Der letzte war ihr Leichenstein,
Jetzt wird sie wohl kuriret seyn.

10. Das ist die Art, wie ich kurir',
Sie ist probat, ich bürg' dafür:
Daß jedes Mittel Wirkung thut,
Schwör' ich bei meinem Doktorhut!


Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen. Hrsg. von August Kretzschmer und Anton Wilhelm von Zuccalmaglio. Zweiter Theil. Berlin: Vereins-Buchhandlung 1840, S. 635f. (Nr. 350).