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Das Leben Dostojewskis glich einer Achterbahnfahrt: stetig pendelnd zwischen Verehrung und Verachtung, zwischen Erfolg, Spielsucht und Geldnot. Mit 28 Jahren wurde er wegen revolutionärer Gedanken des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt, landet dann aber im sibirischen Arbeitslager.
Er gilt als Psychologe unter den Schriftstellern, derjenige der hinab schauen kann in die Abgründe der menschlichen Seele. Diese Biografie ist gespickt mit Auszügen aus seinen Meisterwerken sowie mit einigen seiner Briefe, die einen offenherzigen Menschen zeigen.

Chemische Laboratorien an der Universität Leipzig

Chemische Laboratorien an der Universität Leipzig

Prof.Dr.habil. Konrad Krause

"Mensa am Park" am Campus der Universität, früher Standort des Fridericianums Foto: K Krause
"Mensa am Park" am Campus der Universität, früher Standort des Fridericianums Foto: K Krause

Chemisches Wissen ist - wie schon immer, so auch heute - ein wertvolles Kulturgut der Gesellschaft. Manch einer wird, auch in Erinnerung an sein Interesse und an seinen selbst erlebten Chemieunterricht, diese These anzweifeln wollen. Aber wer gewillt ist, die beiden Aussagenbereiche nicht zu verwischen, der wird beim näheren Hinsehen obige Behauptung gut akzeptieren können. Denn chemisches Wissen, wenn auch noch nicht so genannt, ist so alt wie die Menschheit selbst. So entstand im Laufe der Zeit eine chemische Naturkunde, aus der sich die Chemie als Naturwissenschaft entwickelte, ein Vorgang, der immer aktuell sein wird und der zu keinem Abschluss kommt. Maßgeblichen Anteil an diesem Prozess hatten und haben die Universitäten, weil an ihnen die wissenschaftliche Methode auf den chemischen Objektbereich Anwendung findet. Entscheidend für wesentliche Fortschritte war dabei die Verfeinerung der Experimentierkunst im Zusammenwirken mit dem Bau chemischer Laboratorien, ohne die es keine Chemie geben kann. Das Experiment ist ein möglicher Weg, der Natur Erkenntnisse abzugewinnen. die man durch einfaches Beobachten nicht finden kann. Heute gibt es viele Substanzen, Medikamente und sehr viele Verbindungen des alltäglichen Bedarfs, deren Existenz auf dem hohen Niveau eines chemischen Forschergeistes beruht und die rein synthetisch gewonnen sind. Zu ihnen gehören nicht nur Fasern für Stoffe, sondern zum Beispiel Süßstoff wie das Saccharin oder Mittel zur Schmerzlinderung wie das Aspirin, um zwei bekannte Präparate zu erwähnen, deren Herstellungsgeschichten  eng mit der chemischen Forschung an der Universität Leipzig verbunden sind. Aus vielen chemischen Erkenntnissen entwickelten sich umfassende Technologien, die heute die Grundlage großer Industriezweige sind. Durch die Haber-Bosch-Synthese zum Beispiel, die  auf einem Patent von 1910 beruht, gelingt es, den Stickstoff der Luft so zu binden, das er in Düngemitteln in eine strukturelle Form gebracht wird, die seine Aufnahme durch Pflanzen ermöglicht. Das bei dieser Zielstellung segensreiche Verfahren schafft heute für weit mehr als eine Milliarde Menschen die Grundlage für ihre zusätzliche Ernährung.

Eine Voraussetzung für die glänzende Entwicklung der Chemie an der Universität Leipzig war im 19. Jahrhundert die Gründung von vier neuen Laboratorien, die im Zeitraum von 1842 bis 1898 geplant und gebaut worden sind. So entstand 1842/44 ein zunächst mit „Chemikum", später mit Fridericianum bezeichneter erster Neubau, der eines der für die damalige Zeit modernsten Laboratorien aufnahm. Wir wählen die bevorzugte Schreibweise mit „i", obwohl am Gebäude selbst über dem Haupteingang „Friedericianum" - also mit „ie" geschrieben -, stand. Baumeister war Albert Geutebrück (1801 - 1868), dem Leipzig mehrere klassizistische Bauwerke, darunter das heutige Gebäude des Rektorats der Universität in der Ritterstraße 26, verdankt. Erster Direktor im „Chemikum" war Prof. Otto Linné Erdmann (1804 - 1869), der viermal Rektor der Universität (1848, 1854, 1855 und 1862) und zugleich einer der Pioniere beim Bau der Ferneisenbahnlinie Leipzig - Dresden war. Später befanden sich an diesem Ort die von Prof. Gustav Wiedemann (1826 -1899) und von Prof. Johannes Wislicenus (1835 - 1902) geführten Laboratorien. Das Fridericianum, in dem auch die Gipsabgußsammlung des Archäologischen Museums untergebracht war, wurde am 4. Dezember 1943 bei dem verheerenden Luftangriff auf Leipzig genau 100 Jahre nach seiner Errichtung total zerstört. Das Gebäude stand etwa dort, wo heute die neue „Mensa am Park" gegenüber der Moritzbastei zu bewundern ist.

Das "Chemische Laboratorium" der Universität in der Liebigstraße Foto: UAL
Das "Chemische Laboratorium" der Universität in der Liebigstraße Foto: UAL

Der zweite Neubau war das 1868 speziell für Prof. Hermann Kolbe (1818 - 1884) geschaffene „Chemische Laboratorium" in der Waisenhausstraße (heute Liebigstraße), das zu seiner Zeit wiederum der größte und modernste Laborbau in Deutschland war. Es bot Platz für mehr als 100 Praktikanten. Damit entstehen nun auch die ersten Gebäude der Universität außerhalb des engeren Stadtkerns, den heute der so genannte „Ring" umschließt. Auch das „Chemische Laboratorium"  wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Das fast an gleicher Stelle errichtete Chemiegebäude in der Liebigstraße 18 nahm seit 1949/50 und nach seiner Erweiterungen in den 50er Jahren die Institute für Organische und Anorganische Chemie, später auch für die Physiologische Chemie auf. Nach seiner Rekonstruktion seit 1990 bestand der Gebäudekomplex noch bis 2005; dann wurde er abgerissen, um Platz für den Bau moderner Kliniken zu schaffen. Die  Fakultät für Chemie und Mineralogie bekam als Ausgleich in der Johannisallee 29 ein neues Hauptgebäude, das am 17. Februar 2000 feierlich eingeweiht wurde.

"Physikalisch-chemisches Institut" in der Linnéstraße 2  Foto: UAL
"Physikalisch-chemisches Institut" in der Linnéstraße 2 Foto: UAL

Inspiriert durch die Entdeckungen von Justus von Liebig befasste sich an der Universität Leipzig schon seit 1861 Prof. Wilhelm Knop (1817 - 1891) mit agrikulturchemischen Untersuchungen. 1880 bekam er für dieses Fachgebiet einen Ruf als ordentlicher Professor. Er hatte sich nach dem Ableben des Chemieprofessors Otto Bernhard Kühn (1800 - 1863) in dessen Laborräumen auf der Pleißenburg, die damals zur Medizinischen Fakultät gehörten, ein „Agrikulturchemisches Laboratorium" eingerichtet. Bis 1878/79 war allerdings an der Ecke Stephan- und der heutigen Brüderstraße (früher Teichstraße) ein dritter Neubaukomplex entstanden, in dem das Landwirtschaftliche Institut und von 1879 - 1886 das dorthin aus der Pleißenburg verlegte Knopsche Laboratorium untergebracht wurden. Prof. Knop wurde 1886 emeritiert. Als 1887 Wilhelm Ostwald einem Ruf an die Universität Leipzig folgte, übernahm er ab 1887 die Räume des frei gewordenen Knopschen Laboratoriums in der Brüderstraße 34.  Hier vollzogen sich die entscheidenden Schritte bei der Herausbildung der Physikalischen Chemie zu einer eigenständigen Wissenschaft, der sich in Leipzig vollzog Die weltweit beachteten Erfolge der jungen Disziplin führten zum Neubau des „Physikalisch -  Chemischen Instituts". Es wurde als vierter Laborbau am 3. Januar 1898 in der Linnéstraße 2  eingeweiht. Es war das erste Laboratorium in der Welt, bei dessen Ausstattung und bei den räumlichen Planungen die spezifischen Belange der neuen Wissenschaft Beachtung fanden.