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Dem Seghers-Kenner Friedrich Albrecht gelingt es, ihre abenteuerliche Lebensreise anschaulich zu machen - durch Auszüge aus ihren Werken, Briefe, Tagebuchaufzeichnungen, Erinnerungen von Zeitgenossen sowie durch seine Kommentare und viele Bilder. So entsteht ein lebendiges Bild der „größten deutschen Erzählerin" des 20. Jahrhunderts (Hans Mayer).

Zu bestellen: http://bertuch-verlag.de/71-0-Kennst-du-Anna-Seghers.html

 

Anna Seghers bei Hans Mayer in Leipzig

Anna Seghers bei Hans Mayer in Leipzig

Prof. Dr. habil. Wolfgang Brekle

Anna Seghers, Foto: BA 183-F0114-0204-003, Fotograf: Hochneder, Christa
Anna Seghers, Foto: BA 183-F0114-0204-003, Fotograf: Hochneder, Christa

Natürlich ist Leipzig keine Anna-Seghers-Stadt wie Mainz oder Berlin, Städte, in denen sie viele Jahre lebte. Sie war aber  mehrfach  in Leipzig zu Gast, meist eingeladen von Hans Mayer. Denn dieser Literaturprofessor der Leipziger Karl-Marx-Universität, jetzt Ehrendoktor der Universität  Leipzig (1992) und Ehrenbürger der Stadt Leipzig (2001), hatte selbstverständlich nicht nur Schriftsteller aus der BRD wie Günter Grass, Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger und Walter Jens nach Leipzig zu Lesungen in den Hörsaal 40 eingeladen, sondern auch führende Schriftsteller der DDR, so Bertolt Brecht, Willi Bredel, Peter Huchel , Stephan Hermlin, Peter Hacks, Christa Wolf  und Anna Seghers.
Seghers hat  mindestens zweimal hier gelesen: 1960 aus ihrem Roman „Entscheidung" und 1962  aus ihrer Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen". In einem Brief an Peter Huchel schrieb Hans  Mayer am 22.6.1960: „Letzte Woche war übrigens Anna Seghers hier und las  mit großem Erfolg in unserem Hörsaal und hielt dann ein Seminar mit den ausländischen Studenten." Und in  einem Brief an Anna Seghers vom 29.06.1960 schreibt er: „Zunächst noch einmal herzlichen Dank für die Stunden hier in Leipzig. Unsere Studenten waren sehr begeistert und dankbar."

Hans Mayer
Hans Mayer

Schließlich  traf Hans Mayer mit Anna Seghers 1962 zusammen. Der Leipziger Verlag Philipp Reclam jun. richtete im Gohliser Schlösschen anlässlich des Erscheinens des 6000. Bandes seiner Universal-Bibliothek eine Feier aus. Dieser Jubiläums-Band enthält die Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen", die  Hans Mayer in Anwesenheit  der Autorin mit einer Festrede würdigte. In diesem Band ist auch ein ausführliches Nachwort Hans Mayers enthalten, in dem er  Anna Seghers' Werk in Beziehung zu Kleist, Fontane, Proust u. a. setzt und  ein anerkennendes Urteil über ihre Menschengestaltung formuliert: „Die Schicksale der toten Mädchen  sind exemplarische Geschicke. Anna Seghers schrieb eine exemplarische Geschichte." Aus seinen Briefen  und anderen Veröffentlichungen wird deutlich, dass er Anna Seghers als große Erzählerin schätzte.

Ich kann mich erinnern, wie Anna Seghers bei ihrer Lesung im Hörsaal 40 Hans Mayer gegenüber sehr selbstbewusst auftrat, als dieser ähnlich wie im oben genannten Nachwort in seinen Begrüßungsworten Seghers' Neigung zur zyklischen Komposition  hervorhob. Anna Seghers  entgegnete ironisch vor den Studenten: „Ihr Professor hat es immer mit dem Zyklischen." Sie hätte damit nichts im Sinn gehabt.

Gemeinsame Positionen von Anna Seghers und Hans Mayer  gab es  bei ihrem Eintreten  für begabte Schriftsteller, die mit der  herrschenden Kulturpolitik  in Konflikt geraten waren, so für Heiner Müller (1961) und für Peter Hacks (Ende 1962) wegen dessen Stück „Die Sorgen und die Macht".

Der großen Schriftstellerin Anna Seghers wurde in Leipzig  anlässlich ihres 100.Geburtstages im Jahre 2000 in einem Kolloquium der Rosa-Luxemburg-Stiftung gedacht, das unter dem Thema „Anna Seghers im Rückblick auf das 20. Jahrhundert" stand.

In Leipzig wirkt auch der bekannte Anna-Seghers-Forscher Prof. Dr. Friedrich Albrecht, der  sich durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen um die Würdigung ihrer Werke verdient gemacht hat. Friedrich Albrecht hatte über Anna Seghers promoviert. Seine Promotionsschrift erschien als Buch mit dem Titel "Die Erzählerin Anna Seghers 1926-1932" im Verlag Rütten & Loening Berlin.

 Er versucht  auch jetzt das Andenken an ihr großes Werk wach zu halten: neben regelmäßigen Beiträgen in den Jahrbüchern der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz  besonders durch den Band  "Bemühungen. Arbeiten zum Werk von Anna Seghers (1965-2004)", im Peter Lang Verlag Bern 2005 erschienen, und durch das Nachwort zu „Überfahrt" im Faber & Faber Verlag Leipzig 2007 sowie das Seghers-Buch in der Reihe „Weltliteratur für junge Leser",  erschienen 2007 im Bertuch-Verlag Weimar  unter dem Titel „Kennst du  Anna Seghers?".

 

In diesem Buch versucht Friedrich Albrecht jungen Lesern (und nicht nur diesen) die Sehnsüchte und Hoffnungen der Anna Seghers zu verdeutlichen, was ihm von Seghers' Sohn  Professor Pierre Radvanyi, Paris, in einem Brief als gelungen bestätigt wurde, indem er unter anderem schreibt: „...es macht Spaß, es zu lesen".

Zu bestellen: http://bertuch-verlag.de/71-0-Kennst-du-Anna-Seghers.html

Quellen:
Anna Seghers: Der Ausflug der toten Mädchen. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1962
Klaus Pezold: Prämissen einer Leipziger Anna-Seghers-Ehrung. In: Anna Seghers im Rückblick auf das 20. Jahrhundert. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2001
Hans Mayer: Briefe 1948-1963. Lehmstedt Verlag Leipzig 2006
Friedrich Albrecht: Kennst du Anna Seghers? Bertuch-Verlag Weimar 2007